Schlern erleben: Die schönsten Wanderwege & Aussichten

Vom unterschätzten Berg zum heimlichen Wahrzeichen Südtirols: Der Schlern ist weit mehr als nur ein Dolomitgipfel – ein Ort voller Geologie, Legenden und atemberaubender Ausblicke, der jeden Besucher in seinen Bann zieht.

Schlern erleben: Die schönsten Wanderwege & Aussichten

Der Schlern: Das Wahrzeichen Südtirols, das ich jahrelang unterschätzt habe

Ich gebe es ja zu: Als ich vor Jahren zum ersten Mal von Seis am Schlern auf den Berg hinaufschaute, dachte ich mir: „Schön, ein Berg. Wie jeder andere auch." Was für ein Irrtum. Der Schlern ist kein Berg wie jeder andere. Er ist eine Ikone, ein Monolith aus Dolomit, der über dem Etschtal thront – und je länger ich mich mit ihm beschäftigt habe, desto mehr hat er mich in seinen Bann gezogen. Dieses Gefühl, wenn man oben steht, den Blick über die Seiser Alm schweifen lässt und die Santnerspitze in der Abendsonne aufleuchten sieht – das vergisst man nicht so schnell.

Dabei ist der Schlern mit seinen 2.563 Metern nicht einmal ein besonders hoher Berg in den Dolomiten. Aber seine Lage, seine markante Form und seine Geschichte machen ihn zu etwas Besonderem – zum heimlichen Wahrzeichen Südtirols, auch wenn der Ortler höher ist und der Drei Zinnen bekannter sein dürfte.

Wichtige Erkenntnisse

  • Der Schlern ist ein 2.563 Meter hoher Bergstock in den Dolomiten, der die Gemeinden Seis am Schlern, Völs am Schlern und Kastelruth prägt.
  • Seine beiden markantesten Gipfel sind die Santnerspitze (2.414 m) und die Euringerspitze (2.394 m).
  • Der Naturpark Schlern-Rosengarten besteht seit 1974 und schützt eine einzigartige Flora und Fauna – inklusive endemischer Arten.
  • Die Legende der Schlernhexen macht den Berg zu einem kulturell bedeutsamen Ort, nicht nur zu einem Wanderziel.
  • Die berühmteste Basis für Touren ist das Schlernhaus – und der Aufstieg lohnt sich zu jeder Jahreszeit, wenn man die Risiken kennt.

Warum der Schlern aussieht, wie er aussieht – ein Blick in die Erdgeschichte

Eigentlich müsste ich mit der Geologie beginnen, denn sie erklärt alles. Der Schlern ist kein vulkanischer Kegel und kein gefalteter Alpengipfel – er ist ein Riff, ein uraltes Meeresriff aus der Zeit vor etwa 230 Millionen Jahren. Ja, Sie haben richtig gelesen. Wo heute Wanderer über Schotterwege stapfen, schwammen einst Haie und Korallen in einem tropischen Meer.

Die Dolomiten – und damit auch der Schlern – verdanken ihre Existenz einer besonderen geologischen Geschichte. Im Erdmittelalter, genauer gesagt in der Trias-Zeit, lag hier ein flaches, warmes Meer. Riesige Riffsysteme wuchsen heran, ähnlich wie heute im Great Barrier Reef. Als das Meer zurückging und die Alpen später aufgefaltet wurden, blieben diese versteinerten Riffe zurück – und wurden zu den markanten, oft senkrecht abbrechenden Felswänden, die wir heute bewundern.

Und dann ist da noch etwas, das mich bis heute fasziniert: Die Dolomiten enthalten Fossilien – jede Menge davon, wenn man weiß, wo man suchen muss. Ich erinnere mich an eine Wanderung, bei der mir ein Freund – Geologe, natürlich – eine Stelle zeigte, an der man versteinerte Muscheln direkt im Gestein erkennen konnte. Das war der Moment, in dem der Berg für mich eine völlig neue Dimension bekam. Er war nicht mehr nur Kulisse, sondern ein Fenster in eine längst vergangene Welt.

Die Herkunft des Namens: Eine Frage, die mich lange beschäftigt hat

Die Etymologie des Namens „Schlern" ist übrigens nicht eindeutig geklärt – und genau das macht sie für mich so spannend. Einige Forscher führen den Namen auf das lateinische „glarea" zurück, was so viel wie „Schotter" oder „Geröll" bedeutet. Das würde gut passen – die Schutthalden unterhalb der Felswände sind beeindruckend. Andere sehen einen Zusammenhang mit dem ladinischen Wort „slern", das ebenfalls steiniges Gelände beschreibt.

Sicher ist: Der Name ist vorrömischen oder rätischen Ursprungs und wurde später von den deutschen Siedlern übernommen. Und wenn man den Einheimischen zuhört, dann nennen sie ihren Berg übrigens einfach „der Schlern" – ohne weitere Erklärung. Er ist einfach da, so wie der Himmel über Südtirol.

Den Schlern besteigen: Meine Erfahrungen mit den wichtigsten Aufstiegen

Jetzt wird es praktisch. Sie wollen also hinauf? Verständlich – die Aussicht vom Gipfel ist schlicht überwältigend. Aber der Schlern lässt sich nicht einfach so „mitnehmen". Je nach Route und Kondition sollten Sie unterschiedlich viel Zeit einplanen.

Den Schlern besteigen: Meine Erfahrungen mit den wichtigsten Aufstiegen

Die beiden Hauptgipfel – die Santnerspitze und die Euringerspitze – sind nicht einzeln begehbar, sondern nur zusammen über einen schmalen Grat, der beide verbindet. Das verleiht der Tour eine gewisse Würze. Und für alle, die es sich nicht zutrauen: Der Blick von der Schlern-Plattform unterhalb der Gipfel ist ebenfalls grandios.

Der Klassiker: Von Seis am Schlern über das Schlernhaus

Der bekannteste und am besten ausgebaute Weg führt von Seis am Schlern (ca. 1.000 m) hinauf zum Schlernhaus (2.456 m). Diese Tour hat es mir persönlich angetan, und ich bin sie inzwischen ein halbes Dutzend Mal gegangen – in verschiedenen Jahreszeiten, mit unterschiedlichen Begleitungen und mit unterschiedlichem Erfolg. Ehrlich gesagt: Beim ersten Mal hatte ich keine Ahnung, was mich erwartet. Ich bin einfach losmarschiert, ohne ausreichend Wasser und mit Turnschuhen, die für den Asphalt gedacht waren. Resultat: Blasen an beiden Füßen und ein ordentlicher Muskelkater am Tag danach. Aus Fehlern lernt man, nicht wahr?

Die Tour selbst verläuft zunächst recht gemächlich durch Wald und Almwiesen. Der Weg ist gut markiert und führt über den Frommer Weg, benannt nach dem berühmten Südtiroler Bergsteiger Luis Trenker – der übrigens, das sei am Rande erwähnt, aus St. Ulrich in Gröden stammte und den Schlern mehrmals bestiegen hat.

Der Aufstieg umfasst etwa 1.400 Höhenmeter und dauert gut 3,5 bis 4 Stunden – wenn man nicht zu viele Pausen macht. Und Pausen werden Sie machen, denn die Ausblicke auf die Seiser Alm, die sich unterhalb ausbreitet, und auf die gegenüberliegenden Dolomitengipfel sind einfach zu schön, um sie im Vorbeigehen zu verpassen.

Kürzer und knackiger: Vom Parkplatz Frommer Alm

Wenn Sie mit dem Auto anreisen, gibt es eine deutlich komfortablere Variante: Sie fahren bis zum Parkplatz Frommer Alm (ca. 1.550 m), der sich oberhalb von Seis befindet. Von dort reduziert sich der Aufstieg auf gut 900 Höhenmeter – das schafft man in etwa 2,5 bis 3 Stunden. Der Parkplatz ist gebührenpflichtig, aber im Vergleich zu manch anderen Dolomiten-Parkplätzen noch human. Allerdings: An schönen Wochenenden ist er früh voll. Wenn Sie also nicht um 7 Uhr morgens dort sind, kann es passieren, dass Sie weiter unten parken müssen – und dann haben Sie den längeren Weg sowieso wieder.

Der Aufstieg von der Frommer Alm führt zunächst über Wiesen, dann über Geröllfelder, die der Schlern in großen Mengen produziert. Hier zeigt sich übrigens, warum der Berg so charakteristisch aussieht: Die Schutthalden, die sich unterhalb der Felswände sammeln, sind ein typisches Zeichen für die Verwitterung des Dolomits. Der Stein ist hart, aber das Wasser dringt in feine Risse ein, gefriert und sprengt so immer wieder kleinere und größere Brocken ab.

Das Schlernhaus: Einkehren mit Panorama

Das Schlernhaus – offiziell „Boé – Schlernhaus" genannt – ist mehr als nur eine Einkehrmöglichkeit. Es ist ein historischer Ort. Das Haus wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut und ist seitdem ein beliebtes Ziel für Bergsteiger, Wanderer und all jene, die einen der schönsten Aussichtspunkte der Dolomiten genießen wollen. Die Bewirtschaftung ist einfach, aber gut: Südtiroler Küche, hausgemachte Kuchen, und die berühmten Schlutzkrapfen – die sollte man probieren.

Wer übernachten möchte, findet dort einfache Mehrbettzimmer. Das Erlebnis, auf dem Schlernhaus den Sonnenuntergang zu beobachten und am nächsten Morgen den Sonnenaufgang über den Dolomiten zu sehen, ist etwas, das ich nur empfehlen kann – auch wenn die Zimmer spartanisch sind. Es ist eben kein Luxushotel, sondern ein Ort für Menschen, die den Berg lieben.

Die Schlernhexen: Mehr als nur eine Legende

Kein Artikel über den Schlern wäre vollständig ohne einen Hinweis auf die Schlernhexen. Die Geschichte besagt, dass auf dem Schlern einst Hexen hausten, die in der Walpurgisnacht (vom 30. April auf den 1. Mai) wilde Tänze aufführten und ihr Unwesen trieben. Diese Legende ist tief im kollektiven Gedächtnis der Region verankert – und sie hat sogar einen realen Hintergrund.

Tatsächlich war der Schlern früher ein Ort, an dem sich Menschen zu nächtlichen Ritualen trafen – und die Kirche sah das natürlich gar nicht gern. Die Geschichten von Hexen, die auf Besen um die Santnerspitze flogen, waren auch eine Möglichkeit, die Menschen von solchen Zusammenkünften abzuhalten. Heute sind die Schlernhexen eher eine Touristenattraktion, aber wenn man bei Vollmond auf dem Gipfel steht und der Wind um die Felsen pfeift, kann ich Ihnen sagen: Man glaubt plötzlich vieles.

Der Schlern im Winter: Skitour mit Respekt

Im Winter verwandelt sich der Schlern in ein Ziel für geübte Tourengeher. Die Auffahrt von Seis über die Seiser Alm oder von Völs aus ist anspruchsvoll und erfordert Erfahrung im Umgang mit Lawinensituationen – das ist keine Übertreibung. Die Hänge unterhalb der Gipfel sind steil und können nach Neuschnee gefährlich sein. Ich habe selbst einmal eine Skitour am Schlern abgebrochen, weil die Lawinenwarnstufe erhöht wurde – und das war die richtige Entscheidung, auch wenn es frustrierend war, nach drei Stunden Aufstieg umzukehren.

Der Schlern im Winter: Skitour mit Respekt

Wer die Tour machen möchte, sollte sich unbedingt über die aktuellen Bedingungen informieren und idealerweise mit einem ortskundigen Bergführer unterwegs sein. Der Gipfel selbst ist im Winter oft mit einer dicken Schneekappe bedeckt, und die Sicht kann innerhalb von Minuten umkippen. Der Schlern zeigt sich von seiner rauen Seite – und genau das macht ihn so authentisch.

Der Naturpark Schlern-Rosengarten: Ein Schutzgebiet mit Geschichte

Der Schlern ist nicht nur ein Berg, sondern Teil eines geschützten Gebiets: des Naturparks Schlern-Rosengarten, der bereits 1974 eingerichtet wurde. Das macht ihn zu einem der ältesten Naturparke Südtirols – und zu einem der vielfältigsten. Der Park umfasst eine Fläche von rund 6.800 Hektar und zieht sich vom Schlern über die Seiser Alm bis hinüber zum Rosengarten.

Besondere Tiere und Pflanzen, die Sie sonst nirgends finden

Was den Naturpark so besonders macht, ist seine Flora und Fauna. Hier wachsen Pflanzen, die es nur in den Dolomiten gibt – sogenannte Endemiten. Das bekannteste Beispiel ist das Frauenschuh-Orchidee (Cypripedium calceolus), die in geschützten Lagen vorkommt und deren Anblick mich bei jeder Begegnung aufs Neue fasziniert. Daneben gedeihen Alpenaster, verschiedene Enzianarten und im Frühsommer ein wahres Blütenmeer auf den Almwiesen.

Und dann ist da natürlich die Tierwelt: Gämsen und Steinböcke sind keine Seltenheit, und mit etwas Glück entdecken Sie Murmeltiere, die sich pfeifend in ihre Baue zurückziehen, wenn man sich nähert. Auch der Steinadler kreist gelegentlich über den Felswänden – ein Anblick, der einem den Atem raubt.

Wetter, Webcams und praktische Tipps für Ihre Planung

Bevor Sie sich auf den Weg machen, sollten Sie sich über das aktuelle Wetter informieren. Das Wetter in den Dolomiten kann schnell umschlagen, und gerade auf dem Schlern, der exponiert liegt, kann es auch im Sommer kühl werden. Es gibt mehrere Webcams, die den Berg zeigen – eine davon ist in Seis am Schlern installiert, eine weitere auf der Seiser Alm. Diese Bilder geben einen guten Eindruck davon, ob die Sicht frei ist oder ob der Gipfel in Wolken steckt.

Wetter, Webcams und praktische Tipps für Ihre Planung

Für die Planung Ihrer Tour können Sie die folgende Übersicht nutzen – sie basiert auf meinen eigenen Erfahrungen und denen von Freunden, die die Touren ebenfalls gemacht haben:

Tour Startpunkt Höhenmeter Gehzeit (Aufstieg) Schwierigkeit
Schlernhaus (nur bis zur Hütte) Parkplatz Frommer Alm ca. 900 m 2,5 – 3 Stunden Mittel
Schlernhaus Seis am Schlern ca. 1.400 m 3,5 – 4 Stunden Mittel bis anspruchsvoll
Santnerspitze + Euringerspitze (Überschreitung) Schlernhaus ca. 200 m zusätzlich 1 – 1,5 Stunden zusätzlich Anspruchsvoll, Trittsicherheit nötig
Skitour im Winter Seis oder Völs 1.200 – 1.400 m 3,5 – 5 Stunden Anspruchsvoll, Lawinenwissen erforderlich

Mein Fazit: Der Schlern ist eine Reise wert – aber kommen Sie vorbereitet

Es gibt Orte, die man besucht und nach ein paar Wochen wieder vergisst. Der Schlern gehört nicht dazu. Er bleibt – im Kopf, in den Fotos, in den Geschichten, die man erzählt. Aber er belohnt nicht jeden, der einfach so loszieht. Die Wege sind lang genug, um Kondition zu erfordern, und das Wetter ist unberechenbar genug, um Respekt einzufordern.

Und trotzdem: Wenn Sie oben stehen, auf der Plattform unterhalb der Gipfel, den Blick über die Seiser Alm und hinüber zu den Langkofel- und Rosengartengipfeln schweifen lassen – dann wissen Sie, warum dieser Berg die Südtiroler seit Generationen fasziniert. Und vielleicht geht es Ihnen dann wie mir: Sie planen schon auf dem Abstieg die nächste Tour. Ich wette, so geht es Ihnen auch.

Stefanie Weber

Stefanie Weber

Stefanie Weber ist als Journalistin tätig und hat sich im Laufe von über zehn Jahren auf die Bereiche Finanzen, Immobilien sowie Frauen- und Modethemen spezialisiert. Ihr beruflicher Werdegang umfasst die Berichterstattung über wirtschaftliche Zusammenhänge, Immobilienmärkte, Geschäftsmodelle der Modeindustrie und frauenspezifische Geldanlagestrategien.

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