Es gibt diese Momente, in denen ich vor einer Anzeigetafel stehe und mich frage, warum ich nicht einfach früher losgefahren bin. Letzten Winter in Schmargendorf, es war der dritte Sonntag im Januar, minus vier Grad, und die Schlange an der Kasse zog sich bis fast zur Tür. Draußen auf dem Eis drehten die ersten Läufer ihre Runden, drinnen stand ich und wartete. Das Horst-Dohm-Eisstadion ist so ein Ort, der einen entweder sofort packt oder komplett kalt lässt. Bei mir war es eindeutig Ersteres.
Was mich überrascht hat: Viele Berliner kennen die Bahn hier gar nicht. Sie fahren lieber in den Osten zum Verti oder in den Norden, dabei steht an der Fritz-Wildung-Straße eine der größten Kunsteisflächen der Stadt. 6.170 Quadratmeter. Ein olympischer 400-Meter-Ring. Und im Sommer wird daraus etwas völlig anderes.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Anlage in Charlottenburg-Wilmersdorf öffnete 1974 und trägt den Namen des früheren Bezirksstadtrats Horst Dohm.
- Im Winter laufen Sie auf einer der größten Kunsteisflächen Berlins, im Sommer werden Teile der Anlage für Inline-Skating und Rollschuhlaufen genutzt.
- Eisstockschießen lässt sich auf zwei Bahnen reservieren, für Gruppen und Firmen.
- Eine Saisonkarte lohnt sich ab etwa zehn Besuchen, alles darunter rechnet sich mit Einzeltickets besser.
- Der Außenring wurde zuletzt saniert, deshalb lohnt der Blick auf die aktuellen Öffnungszeiten vor jeder Anfahrt.
Das Horst-Dohm-Eisstadion in Berlin: mehr als eine Eisbahn
Wenn Sie zum ersten Mal an der Fritz-Wildung-Straße 9 stehen, wirkt das Gebäude erst einmal unscheinbar. Beton, flaches Dach, kein Schnickschnack. Werner Deyle hat es entworfen, eröffnet wurde es am 29. November 1974, damals noch unter dem Namen Eisstadion Wilmersdorf. Den heutigen Namen trägt es zu Ehren von Horst Dohm, einem CDU-Politiker und langjährigen Bezirksstadtrat in Charlottenburg, der sich stark für den Sport im Bezirk eingesetzt hat.
Und dann gehen Sie hinein, und plötzlich ist da diese Weite.
Der Innenbereich, die Außenfläche, der 400-Meter-Ring, der an frühere Eisschnelllauf-Traditionen anknüpft. Ich habe selten eine Bahn gesehen, auf der Anfänger und Halbprofis so entspannt nebeneinander laufen. Die einen klammern sich am Rand entlang, die anderen ziehen ihre Bahnen in der Mitte, und irgendwie funktioniert das ohne großes Gedrängel. Das liegt schlicht an der Größe.
Wo genau liegt die Anlage und wie komme ich hin?
Die Adresse ist Fritz-Wildung-Straße 9, 14199 Berlin, im Ortsteil Schmargendorf. Mit der S-Bahn fahren Sie bis zum Bahnhof Schmargendorf oder Hohenzollerndamm, von dort sind es je nach Tempo zehn bis fünfzehn Minuten zu Fuß. Mit der U-Bahn steigen Sie an der Station Hohenzollerndamm aus. Parkplätze gibt es entlang der Straße, an guten Wochenenden sind sie aber schnell weg. Ich habe einmal zwanzig Minuten im Kreis gedreht, bevor ich aufgegeben und zwei Straßen weiter geparkt habe.
Saison, Öffnungszeiten und was 2026 anders läuft
Die Wintersaison im Horst-Dohm-Eisstadion beginnt traditionell im Herbst und endet je nach Wetterlage im März. Wer plant, sollte sich nicht auf Vorjahresdaten verlassen. Ich habe das einmal gemacht und stand Anfang November vor verschlossener Tür, weil der Aufbau der Eisfläche noch lief. Seitdem checke ich immer vorher.
Für die aktuelle Saison heißt das konkret: Die Öffnungszeiten unterscheiden sich nach Wochentag, und an Feiertagen gibt es Sonderregelungen. Unter der Woche ist es morgens und am frühen Nachmittag deutlich leerer, ab etwa 16 Uhr füllt sich die Bahn mit Schulklassen und Familien. Wenn Sie in Ruhe laufen wollen, ist der Vormittag Ihre Zeit. Am Wochenende ist ab zehn Uhr die Hölle los, gegen späten Nachmittag wird es wieder ruhiger.
Ein Blick auf die Saison 2026/27 lohnt sich schon jetzt, denn die Planung folgt einem festen Muster: Aufbau im Herbst, durchgehender Betrieb bis zum Frühjahr, dann Umbau für den Sommer. Was sich von Jahr zu Jahr verschiebt, sind einzelne Reparaturfenster. Nach der Sanierung des Außenrings gab es Phasen, in denen nur Teile der Fläche offen waren. Prüfen Sie also vor der Anfahrt die Angaben auf der offiziellen Seite, statt sich auf den Kalender aus dem Vorjahr zu verlassen. Klingt nach einer Selbstverständlichkeit, ich weiß. Aber genau daran scheitern die meisten.
Was kostet der Eintritt, und ab wann lohnt sich die Saisonkarte?
Ich sage es ehrlich: Die Preisgestaltung hat mich beim ersten Besuch verwirrt. Es gibt Einzeltickets, ermäßigte Tarife für Kinder und Jugendliche, Familienangebote und separate Preise für die Schlittschuhmiete. Dazu kommt ein Pfand oder eine Kaution für die ausgeliehenen Schlittschuhe, das Sie am Ende zurückbekommen.
Meine grobe Rechnung aus eigener Erfahrung: Wenn Sie häufiger als zehnmal in einer Saison laufen, rechnet sich die Saisonkarte. Darunter fahren Sie mit Einzeltickets günstiger. Bei mir waren es im vergangenen Winter vierzehn Besuche, da hat sich die Karte klar gelohnt, vor allem weil ich die Schlittschuhmiete gleich mit einkalkuliert habe. Wer eigene Schlittschuhe besitzt, für den verschiebt sich die Grenze noch einmal nach oben.
Und dann ist da die Sammelkarte. Wer regelmäßig kommt, kann sich Stempel oder Marken sammeln und bekommt irgendwann einen freien Eintritt oder eine kleine Vergünstigung. Es ist so ein altmodisches Ding, das aber tatsächlich funktioniert, weil man plötzlich mitzählt.
Winter, Sommer, Eisstockschießen: ein Vergleich der Nutzungsarten
Was viele nicht wissen: Die Anlage ist kein reiner Winterbetrieb. Sobald das Eis abgetaut ist, wird ein Teil der Flächen für andere Sportarten freigegeben. Hier eine Übersicht, wie sich die Nutzung je nach Jahreszeit unterscheidet.
| Nutzung | Zeitraum | Zielgruppe | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Schlittschuhlaufen | Herbst bis Frühjahr | Familien, Anfänger, Vereinssportler | Zwei getrennte Flächen plus Außenring |
| Eisschnelllauf | Winter | Erfahrene Läufer | 400-Meter-Ring in olympischen Maßen |
| Inline-Skating | Sommer | Rollsportler jeden Alters | Fester Untergrund statt Eis |
| Eisstockschießen | Winter | Gruppen, Firmen, Vereine | Zwei reservierbare Bahnen |
| Schlittschuhverleih und Schliff | ganzjährig während des Betriebs | alle | Werkstatt vor Ort zum Nachschleifen |
Der Punkt, den ich am spannendsten finde: Das Eisstockschießen. Zwei Bahnen stehen dafür bereit, und Sie können sie für private Runden oder als Firmenevent buchen. Ich habe das einmal mit acht Kollegen gemacht. Zwei Stunden, ein paar Stöcke, sehr viel Gelächter. Es ist die unterschätzteste Gruppenaktivität in dieser Stadt, und ich verstehe nicht, warum das nicht viel bekannter ist.
Was mir beim Horst-Dohm-Eisstadion aufgefallen ist
Nach mehreren Besuchen über zwei Winter hinweg sind mir ein paar Dinge aufgefallen, die in keiner Kurzbeschreibung stehen.
Die Atmosphäre kippt mit der Uhrzeit
Morgens wirkt die Halle fast leer und ein bisschen kühl. Nachmittags wird sie zum lauten Familienort. Abends, vor allem an den Wochenenden, kommt eine Mischung aus Vereinssportlern und Leuten, die einfach ihre Runden drehen. Ich mag den späten Nachmittag am meisten, wenn die ersten Familien gehen und es noch nicht richtig voll ist. Diese halbe Stunde ist Gold.
Der Verleih ist besser als sein Ruf
Ich habe früher immer über Leihschlittschuhe geschimpft. Hier muss ich zurückrudern. Die Werkstatt schleift die Kufen regelmäßig nach, was man merkt, sobald man auf dem Eis steht. Sicher, die Passform ist nie so gut wie bei eigenen Schuhen, aber für einen Nachmittag reicht es völlig. Einen Punkt Abzug gibt es trotzdem: In den Stoßzeiten sind die häufigen Größen schnell weg.
Beim Essen müssen Sie Kompromisse machen
Die frühere Gastronomie vor Ort ist Geschichte. Heute bekommen Sie an einem Stand im Wesentlichen Snacks, Getränke und ein paar warme Kleinigkeiten. Wer ein Mittagessen erwartet, wird enttäuscht. Mein Rat: vorher etwas essen oder danach in Schmargendorf einkehren. Die Pommes am Stand sind okay, aber sie sind eben Pommes.
Wie sieht es mit Fotos aus?
Rein fotografisch ist die Anlage ein dankbares Motiv. Der weite Ring, die Linien auf dem Eis, das Gegenlicht am späten Nachmittag. Wenn Sie Bilder suchen, finden Sie vor allem Aufnahmen von oben aus der Tribüne, die die Größe der Fläche zeigen. Respektieren Sie aber, dass nicht jeder Läufer gerne im Bild ist. Bei Veranstaltungen mit Kindern sollten Sie schlicht darauf verzichten, fremde Gesichter groß ins Bild zu rücken.
Bevor Sie losfahren: der ehrliche Praxisteil
Ich habe mir irgendwann eine kleine Routine angewöhnt, und die spart mir jedes Mal Zeit.
- Am Abend vorher die Öffnungszeiten prüfen, nicht am Tag selbst. Reparaturfenster und Feiertagsregelungen tauchen manchmal kurzfristig auf.
- Handschuhe einpacken. Klingt albern, ist es nicht. Ohne Handschuhe macht Laufen keinen Spaß, und manche Bahnen verlangen sie sogar.
- Morgens hin, wenn Sie freie Bahn wollen. Zwischen zehn und zwölf ist es am ruhigsten, das gilt auch am Wochenende.
- Eigene Schlittschuhe mitbringen, wenn Sie sie haben. Der Schliff hält länger, und die Passform entscheidet über den ganzen Nachmittag.
Was ich dagegen nicht mehr mache: mich auf die Restaurant-Erwartung einlassen. Das hat mich beim ersten Besuch einen ziemlich hungrigen Nachmittag gekostet.
Und was ich gelernt habe, ohne es jemandem erklären zu können: Diese Bahn ist kein Ort für einen hochgezüchteten Event. Sie ist ein Ort zum Laufen, zum Stürzen, zum Wiederaufstehen. Zwei Stunden auf dem Eis, und der Kopf ist leerer als nach einer Woche Urlaub. Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum ich immer wiederkomme. Nicht die Quadratmeter, nicht der olympische Ring.
Sondern das Geräusch der Kufen, wenn der Vormittag noch ruhig ist und die Halle fast Ihnen gehört.